Erfahrungsbericht von Dr. med. Phil Jungen, Horgen

- Dr. med. Phil Jungen
Das Unerwartete kommt ohne Vorwarnung – wie an jenem Morgen, als ich in Würenlos gemütlich einen Kaffee trank.
Zuerst hatte ich ein unangenehmes, flaues Gefühl im Magenbereich, dann plötzlich einen vernichtenden Schmerz in beiden Armen. Ich rasterte die möglichen Diagnosen rasch durch und es wurde mir sofort klar, dass ich ein ausserordentliches Herzproblem haben musste. Die Statistik fürs Überleben ist dabei niederschmetternd schlecht: Etwa 11% des Herzmuskels gehen pro Minute kaputt! Es war der 8.3.2008, 8.10 Uhr, meine Todeszeit schätzte ich auf 8.20 Uhr auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte - ein sehr unromantischer Ort zum Sterben.
„Schnell handeln!“ dachte ich mir. Keine Zeit für den Notruf! Ich lief, ruhig atmend zum Auto und fuhr mit 180 km/h durch den Baregg-Tunnel über alle Rotlichter hinweg direkt in die Notfallstation des Kantonsspitals Baden. Ich konnte vor Schwäche kaum gehen und es waren schon 8 Minuten vorbei. Ein Arzt stand gerade da, als ich hereinkam, dann ging alles blitzschnell: Morphium-Spritzen, Blutverdünner und viele Medikamente, um mein fast zerstörtes Herz am Leben zu erhalten. Es folgte eine Notoperation, eine grosse Herzarterie war akut eingerissen und komplett verschlossen. Die ersten 24 Stunden war ich kaum lebensfähig, die Rede war von Herzschrittmacher oder eventuell doch einen Bypass – mit 43 Jahren! So lag ich da, soeben noch gesund und voller Tatendrang und nun in höchstem Masse herzgeschädigt – und fühlte mich so ruhig.
Wie würde sich das Sterben anfühlen? Ich stand an der Tür zum Jenseits und konnte sogar hindurch sehen. Aber jedesmal, wenn ich vom Dämmerschlaf aufwachte, war ich immer noch im Kanton Aargau und nicht im Himmel! Ich war in diesen Stunden absolut überzeugt, dass es Gott und den Himmel gibt und dass ich gerade dabei sei, ihn zu erleben. Ich war ganz rational und bei vollem Bewusstsein am Sterben. Es war ein sehr intensives und eigentlich spannendes Erlebnis.
Ich konnte die Monitoren über meinem Bett selber interpretieren. Stündlich wurde mein Herz eine Spur stabiler. Nach einigen Tagen konnte ich wenige Schritte umher gehen, nach einer Woche war ich wieder zuhause und es fing eine der schönsten Abschnitte meines Lebens an.
Viele Wochen hatte ich nun Zeit zu lesen, zu schreiben, einfach die Tage und die Nächte zu geniessen. Ich las die Bibel mal wieder ganz durch, beschäftigte mich mit den Themen des Freiseins in Gott und dem Sinn des Lebens. Ich fand erneut eine tiefe Ruhe in Ihm.
Jeden Tag sass ich auf den Ergometer und strampelte mein Reha- Programm ab. Nach 3 Monaten konnte ich 50 % arbeiten, aber es blieben eine unendliche Müdigkeit und Erschöpfung gegen Mittag sowie Schmerzen in der Herzgegend und im Arm. Ich erwartete eine vollständige Heilung, aber es wollte einfach nicht besser werden.
Im November besuchte ich den Gottesdienst im Auerehuus zum Thema "Heilung". Der Abend war lang, ich war enorm müde und verspürte den bekannten Schmerz. Als der Referent aufrief, zum Heilungsgebet aufzustehen, dachte ich mir: „Das mache ich noch, dann gehe ich nach Hause.“
Am anderen Morgen war ich beim Aufstehen auffallend beschwerdelos, am Mittag in der Praxis noch munter und voll gut drauf und abends nach dem Training müde, aber mit ungewohnt vitalem Gefühl. Am nächsten Tag dasselbe, eine Woche später immer noch. Allmählich realisierte ich: „Ich bin wieder der alte Phil!“ Die Jahreskontrolle hat keine nach-weisbaren Schäden gezeigt. Mein schwer geschädigtes Herz hat eine errechnete Leistungseinbusse von lediglich 2% - ich bin geheilt! Praise to my Lord God, who is mercyful to me! Ich habe mir in diesem Jahr einen Bibelvers verinnerlicht:
Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus (Philipperbrief, Kapitel 4, Verse 6 und 7). Im Englischen liest sich`s viel schöner: Don`t worry about anything, instead pray about everything.
Diesen Frieden Gottes habe ich in den ersten Stunden dramatisch und intensiv erlebt und ich bin dran, ihn auch jetzt weiter zu erleben.
Dr. med. Phil Jungen, Horgen
